Ausgewandert nach Sansibar - ein Traum wird wahr

Interview mit Christoph zur Neueröffnung seines Gästehauses direkt am Strand

Hallo Christoph, ein eigenes Gästehaus direkt an einem wunderschönen Strand auf Sansibar eröffnen – das klingt nach der Erfüllung eines Traums. Kann man das so sagen?

Ja, absolut! Das ist für mich die Erfüllung eines lang gehegten Traums! Ich fühle mich hier einfach am richtigen Platz. Ich liebe die Menschen und die Kultur auf Sansibar. Hier kann ich alle meine Talente und Fähigkeiten verwirklichen und das von ganzem Herzen. Ich bin ein Gastgeber mit Leib und Seele, führe gerne ein kleines Team und liebe es zu improvisieren, organisieren und mich durch den hiesigen „Bürokratie-Dschungel“ zu navigieren. Zur Abwechslung kümmere ich mich um den Garten und halte das Haus in Schuss. Ich unterrichte hier auch an einer Tourismusschule und beteilige mich an sozialen Projekten. Und nicht zuletzt kann ich hier als geborene Wasserrate meinen liebsten Hobbys nachgehen – wie dem Kitesurfen, Tauchen und Segeln.

Wie lange lebst Du schon auf Sansibar und wie kam es dazu?

Definitiv niedergelassen habe ich mich hier vor einem halben Jahr. Das Ganze hat sich sehr langsam entwickelt. Die Eigentümerin des Hauses ist eine gute Freundin von mir, die in Tansania aufgewachsen ist, aber seit über zwanzig Jahren in der Schweiz lebt. Bevor ich mein Leben auf Sansibar neu begann, arbeitete ich für eine bekannte Schweizer Airline als Flugbegleiter. Dadurch kam ich das erste Mal in Kontakt mit Tansania. Hier habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt und mit den Jahren wurde mir immer stärker bewusst, dass ich mich in Tansania wohler fühle als in der Schweiz. Und so reiste ich Anfang 2016 für einen Monat nach Sansibar, um mir das besagte Strandhaus einmal genauer anzusehen. Als ich dann das Haus zum ersten Mal sah und betrat, war meine Entscheidung sofort gefallen! Es war Liebe auf den ersten Blick. Hier wollte ich mir ein neues Leben aufbauen. Gesagt, getan.

Sansibar ist für viele Europäer ein echtes Sehnsuchtsziel. War es das für Dich auch immer?

Ehrlich gesagt war das bei mir das genaue Gegenteil. Afrika, und insbesondere Sansibar, war mir eigentlich lange nicht bekannt. Ich habe mich als Teenager mehr für Osteuropa interessiert. Und so habe ich zum Beispiel in St. Petersburg russisch studiert und Russland und die Mongolei mit einem VW-Bus durchquert. Erst als ich meine Karriere als Flugbegleiter begann, kam ich in näheren Kontakt mit Tansania und Sansibar.

Wie schwer war es, die Idee des Gästehauses am Strand zu realisieren? Wie lange hat die Bauzeit gedauert und welche Hindernisse musstest Du aus dem Weg räumen?

Das Gästehaus hat als solches schon existiert. Es musste einfach komplett renoviert werden. Mit dem Umbau haben wir vor 5 Monaten begonnen und es wird, so schätze ich, noch bis Ende Juni 2016 dauern. Hindernisse sind hier an der Tagesordnung: Handwerker, die einfach so verschwinden. Bauunternehmer, die das Geld in die eigene Tasche stecken. Und natürlich Korruption und Behördenwillkür. Dazu die Regenzeit, in der alles untergeht… Aber da es mir in der Schweiz eigentlich immer etwas zu langweilig und zu organisiert war, blühe ich hier jeweils richtig auf, wenn es darum geht Hindernisse zu überwinden und nach Lösungen zu suchen.

Spielen bei Deinem Betrieb auch soziale und/oder ökologische Aspekte eine Rolle?

Oh ja, für mich ist es sehr wichtig meine Mitarbeiter individuell zu fördern und ihnen eine Perspektive zu bieten. Ich motiviere sie dazu, die Englisch-Schule in Jambiani zu besuchen und diese mit einem Diplom abschließen. Anschließend können sie an der lokalen Tourismusfachschule entsprechende Kurse absolvieren und sich als Koch oder Kellner oder in Hauswirtschaft ausbilden lassen. Die Zufriedenheit meiner Mitarbeiter liegt mir sehr am Herzen, denn wenn sie zufrieden sind, dann bin ich es auch.  Die Natur ist mir ebenfalls sehr wichtig. Ich lasse den Müll fachgerecht entsorgen und recyceln. Das ist auf Sansibar eher die Ausnahme. Zu einem späteren Zeitpunkt möchte ich auch Sonnenkollektoren installieren.

Wie sind bei Euch die Unterkünfte gestaltet und was können Gäste bei Euch allgemein erwarten?

Die Zimmer sind schlicht, aber elegant im typischen sansibarisch-maurischen Stil gehalten, alle mit eigener Dusche und WC. Das Haus bietet einen geräumigen Balkon direkt zum Meer, zwei große Aufenthaltsräume, einer davon mit Meerblick. Das Haus befindet sich in einem kleinen Fischerdorf etwas eine Stunde von der Inselhauptstadt entfernt.

Wie steht es um das leibliche Wohl der Gäste? Gibt es im Gästehaus ein Restaurant?

Wir haben eine geräumige Küche, die sich in einem separaten Gebäude neben dem Haupthaus befindet. Dort bereiten meine Köche sämtliche Mahlzeiten vom Frühstück bis zum Mitternachtsimbiss zu. Falls jemand lieber gerne selber kochen möchte steht ihm die Küche natürlich zur freien Verfügung. In der Nachbarschaft gibt es außerdem diverse Restaurants, vom lokalen Fischrestaurant bis zur Pizzeria.

Bietest Du auch Touren und Ausflüge auf der Insel an? Welche?

Ich organisiere sehr gerne alle Ausflüge die auf Sansibar möglich sind. Sie werden jeweils durchgeführt in Begleitung eines lokalen Reiseleiters der die gewünschte Sprache der jeweiligen Gäste spricht.

Folgende Besichtigungen und Touren bieten wir unter anderem an: Stone Town (UNESCO-Weltkulturerbe) Jozanie-Forest mit den nur in Sansibar einheimischen Colobus-Affen, Schmetterlingszentrum, Segeln und Schnorcheln von einer typischen einheimischen Dhow aus, Delfin-Beobachtungen, Erkundung von Sansibar mit dem Fahrrad, Kajaktouren, Hochseeangeln, Tauchausflüge, Reiten am Sandstrand.

Bietest Du interessierten Gästen auch ein „Rundum-Sorglos-Paket“ mit Flug, Transfer und Vollpension an?

Ja, der Gast ist König. Ich versuche möglichst alle Bedürfnisse meiner Gäste zu stillen. Wenn jemand es sich wünscht, dass ich alles organisiere, so tue ich das natürlich sehr gerne.

Du wirbst unter anderem mit dem Slogan „Deine Wünsche gehen in Erfüllung“: Wie wichtig ist Dir eine persönliche Atmosphäre und individueller Service?

Das ist für mich das Allerwichtigste! Ich habe einige Erfahrung in der Gästebetreuung und Reisebranche, unter anderem als Kellner, Bahn-Steward, Flugbegleiter und Reiseleiter auf der transsibirischen Eisenbahn.

Ich möchte möglichst individuell und persönlich auf die Gäste eingehen. Sie sollen einfach sie selbst sein dürfen. Dazu führe ich bei der Anreise immer ein Begrüßungsgespräch, in dem ich auch gezielt frage was sie sich für einen gelungenen Urlaub wünschen. Möchten sie das Frühstück am Nachmittag ans Bett serviert bekommen oder doch lieber selber Kochen, alles kein Problem.

Bist Du als deutschsprachiger Ansprechpartner immer in der Nähe?

Aber natürlich, ich erkundige mich jeden Tag persönlich nach dem Wohlergehen meiner Gäste und was sie sich für einen rundum zufriedenen Aufenthalt noch wünschen. Alle meine Gäste bekommen meine Handynummer, falls ich einmal unterwegs bin.

Hast Du einen echten Geheimtipp für einen Ausflug oder eine Aktivität auf der Insel?

Für mich ist einer der schönsten Ausflüge mit Sicherheit der Besuch von Chumbe Island. Diese kleine Insel vor Sansibar ist ein komplett geschütztes Naturreservat. Pro Tag werden nur eine bestimmte Anzahl Touristen auf die Insel gelassen. Die Besucher erhalten für den Tagesausflug einen eigenen Bungalow, werden bekocht, es gibt einen Schnorchel-Ausflug zu einem der schönsten Korallenriffe dieser Erde und der Urwald kann mit einem Ranger besichtigt werden. Es gibt sogar die Möglichkeit zur Übernachtung auf dem Inselchen.

Was macht das Leben auf Sansibar allgemein für Dich aus?

Für mich ist das Leben hier einfach unbeschwerter als in der Schweiz. Die Zeit ist nicht so wichtig und das Geld hat auch nicht so einen hohen Stellenwert wie in meiner Heimat. Hilfsbereitschaft und  Freundlichkeit zählen hier mehr als das unbedingte Erfüllen einer Leistungsnorm.

Welches kulinarische Highlight sollte ein Besucher auf Sansibar unbedingt mal probiert haben?

Jegliche Arten von Fisch und Meeresfrüchten kommen hier direkt aus dem Ozean frisch auf den Teller. Die Sansibarische Küche ist sehr abwechslungsreich und da wir hier auf der sogenannten „Gewürzinsel“ leben, sind die meisten Speisen lecker & raffiniert gewürzt.

Wie oft bist Du noch in der Heimat Schweiz und gibt es so etwas wie Heimweh?

Ungefähr ein- bis zwei Mal im Jahr fliege ich in die Schweiz zurück, um dann aber gleich wieder unterwegs zu sein als Reiseleiter auf der transsibirischen Eisenbahn. Heimweh als solches kenne ich eigentlich nicht, da ich intensiven Kontakt mit der Schweiz pflege. Doch ich vermisse manchmal natürlich gewisse Dinge aus der Schweiz. Beispielweise die Kälte in der Nacht zum Einschlafen und die allgemeine Qualität der Gebrauchsgegenstände. Denn dass sich eine Tür so ohne Weiteres schließen lässt oder dass ein Handy-Aufladegerät einfach so funktioniert, das ist hier nicht so selbstverständlich… (lacht)

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Nur eines: Zufriedenheit

Vielen Dank für das sympathische Gespräch.

Das Interview führte Simon Grünke.

Artikel-Info
Land Tansania
Gebiet Sansibar
Kontinent Afrika
Thema Interview Urlaubsanbieter
Autor Simon Grünke