Wellnessurlaub auf Teneriffa

Interview mit dem Ärztlichern Leiter und Hoteleigentümer Mathias

Lieber Mathias, die Geschichte Ihrer Familie auf Teneriffa geht bereits einige Jahrzehnte und Generationen zurück. Vielleicht können Sie einmal kurz die Anfänge beschreiben.

Als mein Großvater 65 war, zog er sich 1965, er war also Jahrgang 1900, aus dem Tagesgeschäft zurück und ging nach Teneriffa. Dort begann eine neue Zeit, da die Flugverbindungen inzwischen eine regelmäßige Anbindung an Mitteleuropa erlaubten und er sah die Chance ein neues Projekt zu beginnen. Zusammen mit seiner Frau fand er einen unglaublich prädestinierten Platz und baute dort ein Hotel. Das war zu Zeiten der Franco-Diktatur ein nicht einfaches Unterfangen und nahm ziemlich genau zehn Jahre in Anspruch – bis es 1975 schließlich eröffnet werden konnte.

Wann und warum haben Sie sich entschieden, das Hotel in der Familientradition zu übernehmen?

Nicht nur ich, auch viele andere in der Familie wollten eigentlich von der Umtriebigkeit meines Großvaters nicht viel wissen, außer dass man sich mal ein, zwei Wochen dort tummelte und den Norden von Teneriffa genoss. Erst als mein Vater Mitte der neunziger Jahre, nun selbst Mitte 70, überlegte, wie es weitergehen sollte, fühlte ich mich in die Pflicht genommen. Der ausschlaggebende Punkt war allerdings, dass ich zu diesem Zeitpunkt meine Frau kennenlernte, die aus Teneriffa stammte. Während ich noch in meiner Assistenzarztzeit in Berlin war, entschied ich mich dann 1997 die Verantwortung für das Hotel zu übernehmen.

Was sind die wichtigsten Säulen Ihres Angebots und können Sie das Verfahren der Modernen Mayr Medizin ein wenig erläutern?

Das Gesundheitskonzept unseres Hotels beruht zunächst auf der Mayr Medizin, einem anerkannten Verfahren zur Entgiftung über eine ganzheitliche Darmsanierung. Die einmalige Lage des Hauses, direkt am Atlantik, prädestiniert es für Anwendungen der Thalassotherapie und diese Kombination aus Mayr Medizin und Thalassotherapie – in dieser Form einmalig – hat sich als sehr wirksam erwiesen. In der Mayr Medizin gelingt die Entgiftung durch eine Schonung und Säuberung des Darms, kombiniert mit in der Intensität individuell verordneten Therapien, milder Kost, Bittersalz, Atemtherapie und physiotherapeutische Behandlungen. In einer ausführlichen Aufnahmeuntersuchung werden die Behandlungen individuell vom Arzt verordnet, mehrfache ärztliche Behandlungen pro Woche gewährleisten eine optimale Betreuung.

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung sind für Sie zentrale Aspekte Ihrer Arbeit. Warum ist dies der Fall und warum ist es wichtig, dass auch Ihre Gäste für diese Philosophie ein offenes Ohr haben?

Mein Studium war eine Zeit, in dem ich mich mit vielen Themen aus dem sozialen Bereich befasste und daher hatte ich eine gehörige Skepsis gegenüber dem klassischen Tourismus, der sich besonders in Spanien entwickelt hatte. Das Schöne ist, dass unser Hotel in einem Dorf liegt, wo ein Massentourismus üblicher Prägung nicht Fuß fasste und es immer eine Art Symbiose mit dem Dorf gab. Achtsamkeit wird gerade auch für unsere Erholung immer wichtiger. Daher ist die gegenseitige Achtung die Voraussetzung eines Urlaubs, der bei uns den Anspruch hat, dass man „zu sich kommt“. Natürlich geht das Ganze einher mit der Medizin, die eben nicht die Natur beherrschen oder sogar unterdrücken, sondern das Positive, die Ressourcen, bei den Patienten beziehungsweise Gästen fördern will.

Welche Angebote werden Kulturinteressierten und Aktivurlaubern geboten?

Was das Thema Kultur anbelangt sehe ich das Hotel als einen Raum für Kommunikation. Ein glücklicher Zufall hat dazu geführt, dass wir heute ein hochkarätiges Kulturprogramm mit Schriftstellern, Kabarettisten und vielen Musikern in den Wintermonaten anbieten, das auch ein bisschen ein Kontrastprogramm zum großen Kulturbetrieb ist, der unter anderem mit den Festspielen auch nach Teneriffa kommt.

Aktivurlaub in Teneriffa ist ein weites Feld. Die Möglichkeiten sind fast unendlich auf diesem Kontinent im Miniformat. Bei uns fängt das natürlich im Hotel an mit Yoga, Fitness, Schwimmen und außerhalb ist für uns besonders das Wandern von Bedeutung. Was das Surfen anbelangt, ist es eher ein Spektakel vor unserem Hotel, dem man gerne zusieht, aber hin und wieder gibt es auch den ein oder anderen aktiven Surfer der im Hause logiert. Darüber hinaus ist die Liste dann von Biken über Golfen bis zu Paragliding und Höhlentouren wirklich sehr lang.

Wie ist die kulinarische Versorgung der Gäste organisiert?

Wir wissen um die individuellen Wünsche unserer Gäste gerade in puncto Essen. Wir bieten morgens ein breites Angebot beim Frühstück. Als großes Highlight neben unserer feinen à la carte Karte gibt es neuerdings Thalasso Gourmet entweder in einer Version, die auch auf die Kalorien achtet oder als exquisite Gourmetküche, die neben Fischen und Meeresgetier auch Algen einen Platz auf dem Teller zu äußerst angenehme Kreationen bereitet.

Sind Sie oder ein anderer deutschsprachiger Ansprechpartner immer in der Nähe?

Es gibt viele deutsche Mitarbeiter im Hotel, sodass man sich dort wirklich wie zu Hause fühlt.

Ist Ihr Haus auch für Familien mit Kindern geeignet?

Kinder sind in unserem Haus jederzeit willkommen und ich habe selbst drei Kinder im Schulalter, allerdings sind wir kein klassisches Familienhotel, sondern eher ein Hotel um sich zu erholen und zu regenerieren. In Begleitung sind dort Kinder natürlich auch immer herzlich willkommen.

Was macht das Leben auf Teneriffa für Sie ganz persönlich aus und haben Sie vielleicht den einen oder anderen Geheimtipp auf der Insel?

Was mich selbst anbelangt, ich bin immer wieder fasziniert von der Vielfalt und den Möglichkeiten dieser Insel Teneriffa, die ja nun seit 15 Jahren für mich eine zweite Heimat geworden ist und mir ermöglicht, unser besonderes Konzept einer präventiven Medizin zu realisieren. Und natürlich spielt meine Familie eine große Rolle, mit der wir immer wieder die Insel genießen und erkunden. Ob das abgelegene kleine Strände mit schwarzem Sand sind, wo man in die Fluten des Atlantik steigen kann oder die quasi unberührte Natur im Anaga Gebirge. Das Fahrrad spielt eine immer größere Rolle. Es gibt wenig Faszinierenderes, als mit dem Bike die Anaga Höhenstraße entlangzufahren. Ich genieße aber auch ein gutes Gläschen Wein in den Gassen der Universitätsstadt La Laguna mit ihrer spanischen Lebendigkeit.

Welche Beziehung haben Sie noch zu Deutschland und gibt es ab und an so etwas wie Heimweh?

Ich bin regelmäßig in Deutschland, zu beruflichen Fortbildungen, weil wir vieles aus Deutschland organisieren, viele Materialien kaufen wir direkt in Deutschland ein. Deshalb haben wir in München auch noch ein Standbein.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass es endlich Flugzeuge gibt, die eine neutrale CO2-Bilanz haben.

Artikel-Info
Land Spanien
Gebiet Teneriffa
Kontinent Europa
Thema Interview Hoteleigentümer
Autor Simon Grünke