Traumurlaub auf Madeira

Interview mit dem Österreicher und Hoteleigentümer Jörg

Lieber Jörg, die Verbindung zwischen Ihnen und der Insel Madeira war Liebe auf den ersten Blick – kann man das so sagen?

Das war wirklich so etwas wie ein schicksalhafter Verlauf! Ich hatte mich entschlossen, meine Manager-Karriere in Österreich für drei Jahre ruhen zu lassen und mit meiner Segelyacht die Welt kennenzulernen. Nach einer wunderschönen Zeit im Mittelmeer plante ich die Überfahrt in die Karibik und auf dem Weg dorthin besuchte ich die Insel Madeira. Es war Liebe auf den ersten Blick und der Abschied fiel mir schwer. Die Nacht unterwegs zu den Kanarischen Inseln werde ich nie vergessen. Es war sternenklar, ein herrlicher Segelwind aus dem Nordosten und die „CalaPj“ lief wie auf Schienen gen Süden. Und dann kam dieses seltsame Gefühl, dass ich jetzt etwas völlig Falsches mache, wenn ich den geplanten Weg weiter verfolge. Schlussendlich war die innere Stimme so stark und nicht zu beruhigen, dass ich mich noch in der gleichen Nacht entschloss, mein Schiff zu wenden und nach Madeira zurückzusegeln.

Haben Sie die Entscheidung jemals bereut?

Ich weiß nicht woher dieses starke Gefühl damals kam, aber ich bin sehr dankbar darauf gehört zu haben, denn im Rückblick von mehr als zwei Jahrzehnten bin ich überzeugt damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Würden Sie sich als „klassischen Aussteiger“ bezeichnen?

Wenn ein „klassischer Aussteiger“ einer ist, der sein Leben verändert um sein bisheriges Leben im Hinblick auf die Verwirklichung seiner Träume und Neigungen überprüfen zu können und damit offen für Chancen wird, die ihm ermöglichen diesen Träumen näher zu kommen, dann war ich ein solcher.

Was macht das Leben auf Madeira für Sie aus?

Es ist diese Kombination aus Meer und Bergen, dem so angenehmen Klima und dem südländischen Lebensstil, der Dinge einfach nicht so eng sieht. Es ist die Abgeschiedenheit dieser Insel, die weit genug im Atlantik draußen liegt um ein Überschwappen von „Extrema“ weitestgehend zu verhindern und trotzdem nah genug dran, um ein Teil von Europa zu sein, um in wenigen Flugstunden alle wichtigen Lebensadern unserer Staatengemeinschaft erreichen zu können.

Wann und warum hatten Sie die Idee, ein eigenes Hotel zu bauen und zu leiten?

Als Betriebswirt konnte ich für Unternehmen auf der Insel beratend tätig werden und bekam aufgrund eines Auftrags das Angebot als Finanzdirektor einer Hotelgruppe meine Studie in die Realität umzusetzen. So kam ich quasi als Quereinsteiger zur Hotelerie. Während dieser für mich sehr interessanten und erfüllten Jahre entstand die Idee ein eigenes kleines Hotel zu bauen und zu betreiben. So entstand im Jahre 1994 die Villa Opuntia.

War es schwer, Ihren Traum zu realisieren? Wie lange hat die Bauzeit gedauert?

Madeira war zu diesem Zeitpunkt noch sehr schlecht strukturiert und es war nicht leicht meinen Traum umzusetzen. Aber immer wenn man voll Enthusiasmus für ein Projekt arbeitet, dann hat man auch die nötige Energie und empfindet die Hindernisse nie als unüberbrückbar. Der Bau hat ziemlich genau ein Jahr gedauert.

Was darf ein Gast bei Ihnen erwarten?

Eine kleine, gemütliche und angenehm private Ferienvilla in der mein langjähriges Team und ich versuchen, den Urlaub – diese vielleicht kostbarste Zeit im Laufe eines Jahres – unserer Gäste so schön wie möglich zu gestalten.

Warum ist Ihnen eine persönliche und private Atmosphäre so wichtig?

Vielleich hat es damit zu tun, dass ich ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bin und meinen Gästen jenes Ambiente bieten will, welches auch ich gerne während eines Urlaubs in einem Hotel erleben möchte.

Sind Sie oder ein anderer deutschsprachiger Ansprechpartner immer in der Nähe?

Ja, ich bin im Hotel sehr präsent und meine Rezeptionistinnen sprechen alle fließend deutsch. Unsere Rezeption ist täglich von 8 Uhr bis 19 Uhr für unsere Gäste da.

Ruhe und Erholung findet man auf Madeira zweifellos – was bietet die Insel denn für Aktivurlauber oder sogar Abenteurer?

Madeira besitzt noch eine unverfälschte Natur mit Ur-Laurazeen-Wäldern – nicht umsonst wurden viele Gebiete zum Weltkulturerbe ernannt. Aufgrund ihres vulkanischen Ursprungs ist die Insel stark zerklüftet und fast 2.000 Meter hoch. Auf den schmalen Bewässerungskanälen, den Levadas, gelangt man trotz der Wildheit der Natur zu Fuß und meist ohne Risiko in die schönsten Gegenden. Madeira ist eine echte Wanderinsel. Für die „radikaleren“ Aktivurlauber bieten spezialisierte Agenturen viele Möglichkeiten, um sich den nötigen „Kick“ zu holen.

Zu Ihrem hochgelobten Frühstück servieren Sie den Gästen nicht nur exquisite Gaumenfreuden, sondern immer auch einen „Gedanken zum Tag“ – was hat es damit auf sich?

Wir wollen es unseren Gästen so gemütlich wie möglich machen und haben deshalb keinen Frühstücksraum, sondern servieren wahlweise das kontinentale- oder Gourmetfrühstück im Apartment oder auf Wunsch auf der Apartment-Terrasse. Dabei wird der Tisch mit Liebe eingedeckt und dazu gibt es immer einen „Gedanken zum Tag“. Diese Idee blieb mir auf einer Reise nach Mauritius in Erinnerung und sie ist nun fixer Bestandteil unseres „mise en place“.

Wie ist allgemeine die kulinarische Versorgung der Gäste organisiert?

Die Villa Opuntia ist ein Garni-Hotel. Wir servieren nur das Frühstück. In wenigen Gehminuten vom Hotel entfernt bieten verschiedene Restaurants portugiesische und internationale Küche.

Haben Sie nach all den Jahren manchmal noch Heimweh nach Österreich?

Ich glaube, dass man seine kulturellen Wurzeln nie ganz verlieren kann und ich finde, dass Österreich ein wunderschönes Land mit einer sehr typischen und authentischen Kultur ist. Auch habe ich in all den Jahren den Kontakt zu meinen Freunden in Österreich nie verloren und es ist für mich ein ganz besonderes Gefühl als Österreicher in Österreich Urlaub zu machen. Ich entdecke so besondere Dinge, an denen ich während meines Österreich-Alltags jahrelang achtlos vorbeigelaufen bin. Heimweh ist das wohl nicht, aber eine tiefe Verbundenheit mit meiner Kultur.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Gesundheit, einen Nachfolger, der das Besondere der Villa Opuntia zu schätzen weiß und noch viele Jahre, während derer ich meine immer noch so große Neugierde auf das Leben stillen kann.

Vielen Dank für das angenehme Gespräch.

 

Das Interview führte Simon Grünke.

Artikel-Info
Land Portugal
Gebiet Madeira
Kontinent Europa
Thema Interview Hoteleigentümer
Autor Simon Grünke