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18.11.2010

Uzbekistan - Asiens Schöne in türkis

Kontinent

Asien

Land

Usbekistan

Reisezeit

September 2009 bis September 2009

Route

Taschkent
Chiva
Buchara
Samarkant
Taschkent

USBEKISTAN SEPTEMBER 2009

Taschkent, so heißt die Hauptstadt Usbekistans und die war das erstes Ziel unserer Reise.
Nachdem mich meine Kollegen wegen des Fluges mit der „Uzbekistan Airline“ gehänselt haben, wurde mir etwas mulmig, als unser Flieger in Frankfurt keine Anstalten machte zur angegebenen Zeit abzufliegen. 30 Minuten vergingen, eine Stunde…manchmal lief ein Mann vom Bodenpersonal mit Sprechgerät den Gang im Flieger entlang… Nach einer weiteren halben Stunde bequemte man sich uns mitzuteilen, dass im Sanitärbereich ein Wassertank defekt sei und ein Ersatzteil herbeigeschafft werden müsse. Uff.
Mit insgesamt 150 Min. Verspätung hob die Boing dann ab – ein klammes Angstgefühl hatten wohl alle anwesenden Passagiere.
Über Taschkent gibt es nicht viel zu sagen.
In den 70ger Jahren wurde die Stadt von einem Erdbeben weitgehend zerstört und dann von Sowjetischen Architekten im Schnelldurchgang wieder aufgebaut. Also eine moderne, vom Baustil etwas unterkühlte Metropole mit viel Grün und noch mehr Springbrunnenanlagen. Eher langweilig. Allerdings war der Markt recht schön,groß und bunt.
Dass Hotel war von der feinen Sorte, die Zimmer hoch über der Stadt.
Also Tag 1. Stadtbesichtigung ohne besondere Höhepunkte.

Abends dann der Flug mit einer russischen Propellermaschine nach Chiwa, im Westen des Landes, nicht unweit des ökologisch völlig „versauten“ Aralsees.
Wouw!!!
Der Bus musste vor der Altstadt, wo unser Hotel lag, halten. Wir marschierten durch die hohe Stadtmauer hindurch in das Märchen von 1001 Nacht. Im Vollmondlicht sahen wir geschickt illuminierte Minarette, Kuppeldächer etc. Alle Mitreisenden (die Gruppe bestand aus 18 Teilnehmern) waren entzückt.
Am Morgen dann die Stadtbegehung mit unserer russischen Reiseleiterin Lena.
Das abendliche Licht hatte nicht getrübt, am Tage ist Chiwa genau so schön.
Die Profangebäude sind in Chiwas Altstadt meist aus dickem hellem Lehm. Die Minarette und Kuppeln der Moscheen sowie die Portale der Medresen (Koranschulen die ein prachtvolles Eingangsportal und große Innenhöfe haben, wo die Zellen Laubengangähnlich angeordnet sind) jedoch sind reich verziert mit türkisfarbenen Mustern und Ornamenten.
Es gibt in Usbekistan eine Vielzahl sakraler Gebäude, jedoch werden nur sehr wenige als Solche genutzt. Nach dem Einmarsch der Russen in Folge der Revolution (hier 1919) wurden die jahrhunderte alten, religiösen Stätten anders genutzt. In den Medresen werden heute zumeist Souvenirs verkauft. Das Wahrzeichen von Chiwa ist das Minarett Kalta Minor, welches nie fertig gestellt wurde. Das fertig gestellte Teil lässt ahnen, welche Dimension der Turm einmal haben sollte. Wegen statischer Probleme musste das Bauvorhaben damals abgebrochen werden Die alten Städte Usbekistans liegen an der Seidenstraße, wo früher bekanntlich reger Handel betrieben wurde. Karawanen zogen von Venedig bis China und kamen in Usbekistan vorbei. Dabei wurde das Land reich. 1218 durchzog eine riesige mongolische Karawane mit 500 Lastkamelen, reich beladen, durch das Land. Der Stadthalter von Otrar lies bis auf einen Mann die gesamte Begleitmannschaft niedermetzeln. Die Rache des Dschingis Khan war dann fürchterlich. 1219 sammelte sich ein Mongolisches Heer bestehend aus 200 000 Mann und stürmte das Land. Es soll 6 Millionen Tote gegeben haben, der Rest wurde
verschleppt und als Sklaven verkauft. Das Land lag danieder, die prächtigen Städte gab es nicht mehr. Erst ab 1370 unter dem nicht minder brutalen Usbeken Timor Lenk erlebte das Land erneute Blütezeiten. Das Verdienst von Timur (der heute nach Untergang der Sowjetunion wie ein Held verehrt wird) ist aus heutiger Sicht, sein Faible für architektonische Schönheiten im Kontext mit Monumentalgebäuden. Das ist jedoch
besonders in Buchara und Samarkand zu sehen. Chiwa ist zwar eine 2000 Jahre alte Stadt, seine Schönheit wiederum verdankt es einem Herrscher, der Anfang des 19 Jh. lebte.
Unser Hotel, dem Altstadtbild angepasst, hatte einen besonderen Kaffeegarten mit vielen Diwans, die mit großen Tüchern vor dem Wind schützten. Man kann dort herrlich Schaschlik essen und Tee trinken.
Der zweite Tag in Chiwa war frei. Nicht für mich, denn ich musste das Bett hüten. Wie schon so manches mal war ich hier die Vorreiterin eines Darminfektes (der noch viele Mitreisende erwischen sollte) der mich kurzzeitig völlig aus dem Verkehr gezogen hat.
Am nächsten Morgen dann, mit dem Bus durch die Wüste Kiselikum nach Buchara. Eine anstrengende Tagesreise von fast 500 KM. Und wieder ein Hotel vom Feinsten, in der Altstadt. Hier sind mehr Touristen zu sehen als in Chiwa. Auch hier bieten Straßenhändler Pelzmützen, Tücher, russische Uhren und Orden oder Schmuck feil.
Eine lebendige Stadt mit einem künstlichen See, um den herum Lokale angesiedelt sind. Hier genossen wir auch die lauen Abende bei Bier und Schaschlik.
Der erste Tag wurde wieder in der Gruppe mit Stadtbesichtigung verbracht. Buchara hat eine eindrucksvolle Festung, ein wunderschönes Mausoleum aus der Samanidenzeit (Araber 10. Jh.), und viele Medresen und große Moscheen. Gnadenlos trieb Lena, unsere Reiseleiterin, uns von einer Medrese zur anderen, dahinter vielleicht auch die Aufgabe, die Kauflust der Devisenbringer aus dem Wunderland der harten Währungen anzustacheln. Nachmittags besuchten wir die Moschee Chor Minor, ein quadratischer Bau mit vier dicken Minaretten. Ein wunderschöner Bau, innen ist mal wieder ein Shop.
Am nächsten Tag zogen Doro und ich auf eigene Faust los und ließen das orientalische Leben auf uns wirken. Todesmutig bestiegen wir unter anderem ein ziemlich abgewracktes Riesenrad. Dann finden wir den Obst und Gemüsemarkt der Stadt. Riesige russische Lastautos stehen dort, Seite an Seite mit dem Ladeteil zum Durchgang. Verkauft wurden Berge von Melonen, Kürbisse, Zwiebeln
Kartoffeln.
Ein fröhliches Völkchen, wir wurden hier und da freundlich angesprochen und auch, wie auf dem o.a. Foto zu sehen, zum Tee eingeladen. Hernach war ein wenig shoppen und schauen bei uns angesagt und dann gönnten Doro und ich uns einen Besuch im Hammam (orientalisches Badehaus). Man bekommt dort ein großes Laken zum umhängen, dann geht es in den Schwitzraum. Ein dunkler Raum mit Kuppel, alles in Rohstein. Dieses Hammam ist 600 Jahre alt und irgendwie sieht man es auch. Dann, wenn man ordentlich weich gekocht ist, kommt so ein Jüngling und rubbelt alle überflüssigen Schüppchen mit einem harten Handschuh von der Haut. Hernach wird mit Seidenseife (Produkt von der Seidenraupe) massiert und dann wird man Kübelweise mit ziemlich warmem Wasser übergossen. Hiernach folgt eine Salbung mit Honig und Ingwerpulver und hopps geht es wieder in den Schwitzraum zum Entspannen. Nach 5 Minuten kam dann ein Bademeister und schüttete wiederum große Wasserschüsseln über unser Haupt, diesmal abgestuft immer kühler. Herrlich. Unsere Haut fühlte sich an wie ein Babypopo.

Usbekistan tritt für mich durch zwei Komponenten hervor:

1) die unvergleichliche Architektur
2) Die Liebenswürdigkeit und äußerliche Exotik seiner Einwohner.

Goldüberkronte Zähne blitzen einem hier ständig entgegen. Ein Zeichen für Wohlstand, der Usbeke, die Usbekin, sie tragen ihr Tresor im Mund und man zeigt mit jedem Lächeln was man hat. Seltener in Taschkent, woanders aber fast ausnahmslos: die langen bunten Kleider, manchmal auch Hosen darunter. Vielleicht noch ein Jäckchen drüber, am Besten alles in verschiedener Blümchenmusterung!
Der Herr trägt Käppchen, die Herren ab ca. 40 fast ausnahmslos. Tja und hier und da will sich das Gefühl breit machen, einer der heiligen drei Könige hätte sich verirrt.
Die Busfahrt nach Samarkand führte uns am nächsten Tag durch fruchtbares Gebiet. Vor allem Baumwolle wird hier im großen Stil angebaut. Erntezeit September bis Dezember.
Die Baumwolle ist eine sehr wasserbedürftige einjährige Pflanze und das größte Exportprodukt des Landes. Um die Felder fruchtbar zu halten wird den beiden Hauptflüssen das Wasser abgegraben. Die Folge ist das extreme Austrocknen des Aralsees (einer der größten ökologischen Katastrophen der Gegenwart). Um die Baumwolle effektiver ernten zu können, werden die Felder ca. 14 Tage vor der geplanten Ernte mit einem Entlaubungsmittel besprüht (ich denke ähnlich dem Agent Orange in Vietnam seinerzeit). Die Gifte gelangen natürlich in die Flüsse und werden darüber hinaus von den Menschen berührt und eingeatmet, die mit der Baumwolle arbeiten.
Auf der Busfahrt halten wir einmal kurz an einem Feld und können die Baumwollpflanzen in 3 Stadien bewundern: malvenähnliche Blüten, Kapseln optisch der Limone ähnlich und dann die aufgesprungenen Kapseln, aus denen so etwas wie Wattebäusche quellen. Bevor wir unser (wieder sehr schönes Hotel) in
Samarkand bezogen, gab es eine Modeschau, die wider Erwarten witzig und sehr schön war. Und ich habe zugeschlagen…
Samarkand, eigentlich die bekannteste unter den Usbekischen Städten, hat keine geschlossene Altstadt, dafür aber die prächtigsten timoridischen Gebäudekomplexe des Landes. Wie schon geschrieben, wollte Timor ja hoch hinaus und stellte größte Ansprüche an seine Baumeister. Wer seine hochtrabenden Ideen nicht umzusetzen vermochte, wurde hier und da schon einmal hingerichtet. Da gab es nette Henker - Methoden, die übrigens auch bei untreuen Frauen angewendet wurden: In einen Sack einnähen und von einem Turm schubsen. Oder natürlich das Steinigen. Halb in die Erde einbuddeln und dann konnte jeder werfen. Natürlich hatte das Köpfen Hochkonjunktur, der Landstrich ist ja bekannt für seine schönen Säbel. Zurück zu den Prachtbauten aus
Timors Zeit. Der bekannteste Platz ist der Registan, wo drei riesige Koranschulen im rechten Winkel zueinander stehen. In der Koranschule links im Foto hat der Gelehrte Ulug’bek wissenschaftlich sehr effektiv gearbeitet. Leider wurde damals, so wie auch heute in totalitären Staatsgebilden, die Intelligenz häufig Opfer despotischer Machtgier. Ulug’bek wurde geköpft, das hat man nach Öffnung seines Grabes rekonstruiert. Jedenfalls ist jede der drei Medresen prachtvoll und gehört nun zum UNESCO Weltkulturerbe.
Früher wurde hier Markt gehalten. Auch von innen sind die sakralen Gebäude auf das Schönte verziert.
Am nächsten Tag gab es eine Reise zu Timors Geburtsstätte. Natürlich hat er es sich nicht nehmen lassen, eine Prachtresidenz bauen zu lassen, es sind aber nur noch die Pylonen des Riesentoreinganges vorhanden. Außerdem konnten wir auf dem Weg eine weitere Totenstadt bewundern. Eine Straße voller schönster Mausoleen. In einem soll ein Cousin Mohammeds ruhen. Wer dreimal diesen Ort besucht, hat Mekka gespart.
Übrigens, es ist gerade Ramadan, die meisten Usbeken scheren sich nicht darum, es wird lustig gegessen und getrunken.

Auf dem Rückweg von Timors Geburtsstadt konnten wir dann mal Tierisches vor die Linse bekommen. Esel sieht man hier ständig und sie sind ein unentbehrliches Transportmittel für Usbekische Klein(agrar)wirtschaften. Aber auch
in den Städten sind die Grautiere häufig zu sehen.
Dann gibt es noch das Fettschwanzschaf. Interessant ist, dass die Schafherden hier von Ziegen geleitet werden. Die dummen Schafe trotten hinter den schlauen Ziegen hinterher. Nett!
An einem freien Abend in Samarkand versuchen Doro und ich vergeblich ein Restaurant ausfindig zu machen. Erst der Hinweis einer jungen Frau brachte den Erfolg: Wir ließen uns mit dem Taxi in das „Russenviertel“ kutschieren. Einen Innenstadtkern gibt es nicht, aber hier im Russenviertel ist es gemütlich, weil viele Holzvillen aus der zaristischen Kolonialzeit ein nettes Stadtteilbild ergeben. Hier nun gab es auch Restaurants und zwar ausnahmslos Fischrestaurants. Die Riesenfische hängen vor dem Eingang an der Veranda. Im Innenbereich bestehen diese Lokale ausschließlich aus Separées. Jedes Separee mit Gardinchen. Familien,
Freunde – egal mit wem – man liebthier die Intimität beim Essen.
Doro und ich haben einen der Terrassenplätze vorgezogen. Die Lokale waren proppevoll. Der Fisch war deliziös!!!
Ja und dann ging es wieder in Richtung Taschkent. Am Stadtrand von Samarkand hielt unser Bus nochmals und wir konnten einen weiteren Höhepunkt der Usbekischen Geschichte bewundern: Das Observatorium des Ulug’bek. Darauf hatte ich mich die ganze Reise gefreut. Der Wissenschaftler hat auf einem Berg ein geniales Observatorium errichten lassen (1424-1428) und Sternenkunde studiert. Es gelang ihm damals das Erdenjahr mit nur geringen Abweichungen zu bestimmen. Das Hauptinstrument
der Sternwarte war vermutlich ein gemauerter Quadrant oder Sextant mit einem Radius von 40,4 Metern am Ende, durch einen
Hügel geführten und einer durch Mauern abgestützten Mittagslinie. Die Ruine des eigentlichen Sextanten ist erhalten geblieben. Das Gebäude steht nicht mehr. Das war es eigentlich schon, wären da nicht noch einige Fotos vom herrlichen Markttreiben in Samarkand.
Damit verabschiede ich mich etwas traurig von diesem wundervollen Land.

Veranstalter Marco Polo

merri-b-k