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04.06.2009

Farben, Licht und Granatäpfel

Kontinent

Europa

Land

Ukraine

Reisezeit

Oktober 2005 bis Oktober 2005

Route

Badeorte und Naturschutzparks

Ukraine
Zwar hatten wir anfangs schwere Herbststürme, in der zweiten Woche, in Jalta dann überraschte uns dann doch noch warmes südländisches Herbstwetter.
Zuerst weilten wir in dem kleinen Kurort Sudek, mit vielen Kurkliniken aber ohne schönen Stadtkern. Es gibt einen Markt und eine Geschäftsstraße, drumherum
Auf dem Hotelbalkon
buntgewürfelte Architektur aus Einzelhäusern und ein wenig sozialistischem Plattenbau.
Unser Hotel ( ich war ja mit dem altbewährten Wikingern unterwegs) war für Ukrainische Verhältnisse luxuriös, den Pool konnten wir aber aus wettertechnischen Gründen nie nutzen. Zudem waren wir fast ständig unterwegs.
Ich teilte mein Hotelzimmer mit einer jungen Münchnerin, wir hatten ein großes Zimmer mit Blick auf eine venezianische Festung.
Unsere Reiseleitung hieß Olga, hat Ähnlichkeit mit einer Barbiepuppe und war aber das Beste was uns passieren konnte. Sie war fürsorglich, intelligent, und richtig nett. Bei unserer Ankunft um 5:00 Uhr morgens am Flughafen Simferopol servierte sie uns im Bus erst mal Krimsekt und Kaviar. Dann ging es 3 Std. in Richtung Schwarzes Meer.
Gleich am nächsten Tag wurde unsere Wanderkondition gefordert, wir bestiegen die Steilküste bei Maria Nidda. Was mir hier zum ersten mal auffiel war das Licht. Ich kannte es so bisher nur von der Kurischen Nehrung. Es war zauberhaft schön, hatte aber auch damit zu tun, dass es Herbst war.
Apropos: Herbst und Indian Summer in den USA, kann man sich fast schenken, wenn man den Herbst auf der Krim erleben durfte. Die Laubfärbung war phantastisch.
Die Wanderungen allerdings auch nicht ganz ohne. Nur ein Vorgeschmack, was uns in späteren Tagen erwarten sollte.
Am Ende dieser Landschaftlich erhabenen Wanderstrecke wurden wir dann noch von einem kräftigen Landregen überrascht. Wir waren sehr froh, dass wir zu diesem Zeitpunkt schon wieder im „Flachen“ waren. Allerdings fand das anschließende Fischmahl dann nicht mehr auf der Terrasse einer Burg statt, wie geplant, sondern auf dem Überdachten Vorraum eines einfachen Lokales.
Der Regen nervte uns auch am nächsten Tag ein wenig, da besuchten wir nämlich die schöne Stadt Feodosija, ein kulturell sehr geprägter Ort. Es gab ein Museum des Malers Ajvazovskij, der seiner Zeit wirklich gute, meistens großformatige Bilder mit Seethemen malte. War interessant.
Dann besichtigten wir das Haus des Schriftstellers Grin, der mir unbekannt war. Es gibt jedoch deutsche Übersetzungen seiner Werke.
Ein Stadtbummel war wegen des andauernden Regens nicht so verlockend, so verbrachten die meisten von uns die Mittagspause in einem Lokal statt beim Stadtbummel.
Am Ende besichtigten wir noch eine uralte armenisch/orthodoxe Basilika.
Der nächste Ausflug, am nächsten Tag führte uns nach Novyj Svet, ein großes naturgeschütztes Areal entlang dem Meer.
Der Wettergott hatte erbarmen und es regnete nicht.
Auch hier das herrliche Lichtspiel und schöne Felsformationen. Die Wanderung war nicht so schwer, da waren wir beim Besuch der berühmten Krimsektkellerei noch alle frisch und munter. Natürlich gab es Proben und die Stimmung der Probanten hob sich von Schluck zu Schluck.

Es wurde uns keine Ruhe gegönnt, schon am nächsten Tag wurde ich arg gefordert.
80 KM östlich unseres Hotels liegt Karadak, ebenfalls ein Nationalpark, aber einer der es in sich hatte!! Es begann ganz friedlich mit der Besichtigung ausgestopfter Tierarten, die in der Gegend heimisch sind. Der Anfangspfad war auch noch recht zahm und als er sich dann steil nach oben zu schlängeln begann ahnte ich noch immer nichts böses. Plötzlich tat sich dann eine Wand auf, bestehend aus großen Steinen und extrem steil. An der sollten wir uns Hochhangeln. Ein Ende war nicht zu sehen. Nach dem ersten Versuch streikte ich, schließlich riskiere ich mit meiner Osteoporose beim Fallen immer leicht Knochenbrüche.
Ein Mitreisender, ein ziemlich starker Mensch, bot mir seine Hand an. Halb zog er mich, halb wand ich mich mit eigener Kraft hoch. Ich war so verschreckt, das ich diesen Aufstieg noch nicht einmal fotografieren ließ.
Ich bin heil oben angekommen und es hat sich gelohnt.
Rechts auf dem Bild habe ich mal versucht, das Licht einzufangen.
Der Abstieg war dann an anderer Stelle etwas gemäßigter.
Am nächsten Tag habe ich mich mal von den Gruppenaktivitäten ausgeklinkt. Brauchte meine Ruhe und Zeit um das Gesehene zu verarbeiten.
Am Folgetag ging es dann schon mit gepackten Koffern weiter: In Jalta wartete das nächste Hotel auf uns. Der Weg dorthin wurde für eine spannende Besichtigung genutzt.
Der Bus fuhr ca. 1500 auf den Berg Catyr Dag, dort besichtigten wir die Tropfsteinhöhle der Emine. Die Krim gehörte lange zum Osmanischen Reich, daher die türkischen Namen.
Die Höhle ist gut ausgebaut und hat mehrere Ebenen. Es schillern schöne Farben von den Wänden und es gibt sogar das Skelett eines Dinosauriers. Von dem Plateau aus sahen wir schneebedeckte Nachbarberge. Wir wanderten ca. zwei Stunden. An die 700 m Abstieg mochte ich gar nicht denken und es wurde auch ziemlich hart. Der Boden war feucht und geröllig. Ich verkrampfe mich dann leicht, weil ich Angst habe zu fallen. Nun ja, ich lebe noch und hinterher, wenn der Stress vorbei ist, freue ich mich dann doch die Naturschönheiten gesehen zu haben.
Jalta ist wunder schön, man nennt die Stadt Nizza des Ostens, ich glaube zu recht. Die Stadt wurde mit Führung besichtigt, zuerst die herrliche, kilometerlange und sehr breite Standpromenade. Es gibt schöne historische Häuser und die Menschen hier sind auch eher städtischer als in Sudek.
Wir besuchten dort auch die Kirche der Deutschen Gemeinde, die einen sehr netten Pastor hat.
Wir betraten also die kleine Kirche und wurde sofort aufgefordert mit ihm das Lied „Großer Gott wir loben dich“ zu singen. Er begleitete uns auf einer kleinen Orgel.
Unser Jaltarundgang führte und auch zu der Stätte, wo Churchill, Roosevelt und Stalin über die Nachkriegswelt befunden haben. Die Möbel stehen noch wie einst 1945.
In der oberen Etage dieses Livadija-Palastes ist alles so belassen worden wie der ehemalige Besitzen Zar Nikolaus II mit seinen 5 Kindern gelebt hat. Hier war deren Sommerpalais. Die ganze Familie wurde ja 1918 in Jekaterinenburg hingerichtet. Traurig, für die Kinder vor allem.
Am nächsten Tag brachen wir bei warmen Sommerwetter zu einer Wanderung auf den Aj Petri (Heiliger Petrus ) auf. Eine lange, aber wenig gefährliche Wanderung entlang am Berghang hoch über Jalta mit wunderschönen Ausblicken. Auf dem Gipfel gab es dann Krimtatarische Spezialitäten zu futtern.
Am Abend jenen Tages besuchten wir noch ein Konzert, wo eine Opernsängerin ganz viele Ave-Maria Variationen zum Besten gab, von allen möglichen deutschen, französischen und russischen Komponisten. Das Schönste war das von Schubert, fand ich.
Alupka mit einer Palastbesichtigung nebst herrlichem Garten erwartete uns am nächsten Vormittag. Am Nachmittag ging es dann mit dem Schiff zum Wahrzeichen der Krim, dem Schwalbennest.
Rechts, am Vormittag von oben fotografiert.
Für mich kam am folgendem Tag ein besonderes highligth: Sevastopol!!
Sehr geschichtsbeladen (Krimkrieg) und sehr spannend. Eine schöne Stadt, in die man bis vor ein paar Jahren nur mittels Passierschein hineinkam. Super fand ich ein riesiges Krimkriegpanorama, ca. 100 Jahre alt.
Die letzten Tage bin ich dann in Jalta verblieben. Hatte einfach genug gesehen, außerdem stand noch eine extrem schwere Wanderung an, die ich weder mir, noch meinen Mitreisenden durch meine Ängstlichkeit zumuten wollte. Und Jalta selber hat ja auch eine Menge zu bieten, zum Beispiel das Haus von Anton Cechov, wo ich drin gewesen bin.
Vielleicht noch etwas über die Menschen auf der Krim. Sie sind meistens sehr verschlossen, selten wird zurückgelächelt. Das ist gewöhnungsbedürftig. Auch kennt man dort nicht unsere Geschäftstüchtigkeit. Die Verkäuferin liest Zeitung, obwohl Kundschaft wartet, viel wirkt für einen Westler ungewohnt unrationell.
Eine Menge Menschen sind sehr arm, darüber täuschen auch keine Prachtbauten hinweg. Auf der Straße zum Markt in Jalta, verkaufen Frauen Teile aus Ihrem Hausstand oder Klamotten oder minimale Erzeugnisse aus dem Garten.
Die jungen Frauen haben übrigens sehr häufig ein Outfit, das man bei uns Freudenmädchen Milleuhr findet. Olga, die Reiseleiterin sagt dazu: „Ich bin froh, dass es nach den sozialistischen Jahren wieder Mode gibt“
Die Alten wiederum tragen Kittel und sind meistens sehr bäuerlich gekleidet.
Die Häuser sind auch ein Thema für sich. Es gibt schöne alte Häuser mit den verzierten Erkern, viele verfallen. Die Hochhäuser haben alle Balkons und diese werden in der Regel von den Bewohnern in Eigeninitiative zugebaut, das sieht dann sehr uneinheitlich aus. Sie brauchen wohl den Raum, denke ich.
Tja, das war mal ein Bericht einer spannenden interessanten Reise.

merri-b-k