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09.01.2008

Mein Thailandurlaub

Kontinent

Asien

Land

Thailand

Reisezeit

Januar 2008 bis März 2008

Route

Quer durch Thailand und vielleicht auch mal nach Kambodscha

Wenige Stunden vor dem Abflug
Liebe Leser,
bald ist es soweit. Mein Flugzeug startet vom Flughafen Tegel um 5.50 Uhr. Vorausichtlich werde ich dann am 11. März in Bangkok landen und mich dann in mein Hotel " Prince " begeben, welches ich für fünf Tage gebucht habe.
Gerne würde ich euch schon jetzt einen kurzen Überblick über die folgenen 60 Tage ermöglichen, doch das geht leider nicht, da ich nichts, wirklich gar nichts geplant habe.
Es wird also spannend - nicht nur für euch.
In ca. einer Woche werden wir schon mehr wissen. Bis dahin sage ich Tschüß und drücke mir jetzt selber die Daumen für eine problemlose Anreise.

Die ersten Tage in Bangkok
Hallo liebe Reisefreunde,
ich bin gut angekommen und nun schon sieben Tage hier. Die Zeit ( die ersten fuenf Tage ) fuer die ich ein Hotel gebucht hatte sind vorrueber. Ich war dort sowieso nur zum schlafen und waschen. Die meisste Zeit verbringe ich trotz diverser Warnungen in den Slums von Bangkok. Ich habe hier sympatische Menschen kennengelernt die ein gutes Herz und ein freundliches Wesen haben. Wir sitzen hier taeglich zusammen, essen gemeinsam und verstaendigen uns mit Haenden und Fuessen und gebrochenem Englisch. Natuerlich verstehe ich nicht alles, fuehle mich aber sehr herzlich aufgenommen.
Seit gestern schlafe ich auch hier. Weil ich Europaeer bin, bin ich bekannt wie ein bunter Hund. Bin der einzige hier weit und breit.
Doch es gibt auch viele Dinge die mich sehr nachdenklich und traurig machen. Zum Beispiel habe ich waehrend einer Unterhaltung mit meinem Nachbarn Dahm Lung gemerkt, wie gerne er doch einen eigenen Fernseher besitzen wuerde. Doch diesen Traum kann er sich nicht erfuellen, dafuer reicht sein Einkommen als Supermarktsecurityman nicht aus.
Bitte seid nicht enttaeuscht wenn ich euch nur aus Bangkok berichte. Ich habe beschlossen die Ausgaben fuer mich selber auf ein Minimum zu reduzieren, damit das Geld aus meiner Reisekasse ausreicht um den einen oder anderen Wunsch zu erfuellen. Ich denke da zum Beispiel an einen Fernseher fuer Dahm Lung. Das soll jetzt keine Selbstbeweihraeucherung sein, sondern es ist eine Tatsache, dass es mir mehr Freude bereitet wenn ich jemanden, den ich sympatisch finde, ueberraschen kann und einen Platz in seinem Herzen bekomme, als in einem viel zu grossen Hotel mit Klimaanlage zu wohnen und jeden Tag mit neuen Handtuechern versorgt zu werden. Wie ihr seht, denke ich dabei letztendlich auch an mich selber.
So, nun werde ich eine heisse Nudelsuppe in meinem Lieblingsstrassenrestaurant zu mir nehmen, deren Name ich wohl nie aussprechen werden kann. Uebrigens ist das das gleiche Restaurant in dem ich meine Kamera stehen lassen habe und sie wohl von den folgenen Gaesten weggefunden wurde. Deshalb bleibt mein Bericht bilderlos. Schade. Habe aber keine Lust mich darueber zu aergern.
Beim naestenmal berichte ich euch mehr ueber die Slums, deren Bewohner und ihre Jobs.
Tschuess bis dahin sagt euer Sven

P.S.: Da ich mitlerweile in englisch, deutsch und thailaendisch denke, bitte ich eventuelle Rechtschreibfehler zu uebersehen. Danke.

Meine Nachbarschaft
Liebe Reisefreunde,
heute moechte ich euch wie versprochen etwas ueber die Slums, die Menschen die hier leben und ihre Taetigkeiten erzaehlen.
Was sind den eigentlich Slums ? Nun, es ist der billigste Wohnraum der Stadt. Die Miete fuer einen Raum von ca. 2,5 m mal 3 m betraegt ungefaehr 1500 Baht bis 2000 Baht. Hier wohnen ueberwiegend Thailaender und wenige Laoten. Europaeer oder Amerikaner gibt es hier nicht. Es sind Baracken, die wie abrissreife Geragen aussehen, Wellblechhuetten und Bretterverschlaege. Alles dicht an dicht, bunt durcheinander gewuerfelt nur durch schmale Gaenge getrennt und sehr verwinkelt. Mittendurch fuehren die Eisenbahnschienen, auf denen mehrmals am Tag ein Gueterzug verkehrt. Er faehrt hier laut hupend durch, damit die Bewohner fuer einen Moment die Gleise raeumen koennen, waehrend sich zig Tonnen Stahl oft nur im Abstand von wenigen Zentimetern an den Baracken und den zusammengezimmerten Tischen und Stuehlen vorbeischieben. Fuer viele dient er als Muellabfuhr. Sie werfen ihre Muelltueten einfach darauf. Andere machen sich diese Muehe nicht und werfen den Abfall auf den Boden. Ausserhalb der Baracken liegt ueberall Muell, doch wenn eine Tuer aufgeht und man einen Blick ins Innere erhaschen kann, wird man feststellen, dass viele Bewohner ihren Innenraum mit viel Liebe und Sorgfalt eingerichtet haben. Ein Teil der Slums befindet sich unter der gebuehrenpflichtigen Autobahnbruecke. Hier sieht man oft Berge von leeren Plastikflaschen und Dosen gesammelt aus den Abfaellen der Stadt. Ein mit zusammengedrueckten leeren Plastikflaschen gefuellter 50l Muellsack bringt ca. 35 Baht. Das sind 0,80 Euro.
Viele Menschen sind arbeitslos. Andere arbeiten als Wachpersonal, als Reinigungskraefte, als Taxifahrer oder Polizisten. Oft sieht man morgens oder abends Menschen in schicken Uniformen die Gleise entlang zur Arbeit gehen. Das Geld reicht aber nicht aus um sich eine bessere Wohnung mieten zu koennen. Oftmals muessen auch noch Familienangehoerige mitversorgt werden. Viele der Frauen hier arbeiten in den Bars und prosituieren sich. Wenn man sich am fruehen Abend an die Gleise setzt, kann man zu sehen wie sie sich schminken und dann losgehen. Viele gehen daran kaputt. In einem Reisefuerer habe ich mal gelesen, dass mehr als 50 Prozent bereits mit HIV infiziert sind. Aber auch ihre Gefuehle werden verkrueppelt. Alle haben sie schon unzaehlige Liebesschwuere, ewige Treue - und Heiratsverspechungen gehoert und mussten dann doch nur Maennerphantasien erfuellen und leben immer noch hier. Ein Beispiel dafuer ist Geau. Sie kann nicht mehr unterscheiden zwischen aufrichtiger Freundlichkeit und gekaufter Zuneigung. Sie liebt nur das Geld. Als sie mich gesehen hat, hat sie sich an mich gehaengt und wollte alles mit mir zusammen machen und sagt I love you genauso oft wie andere Menschen Hallo. Als ich ihr gesagt habe, dass sie bei mir immer willkommen ist, ich ihr aber kein Geld fuer Sex oder Spaziergaenge geben werde, ist sie weggegangen ohne mich auch nur noch eines Blickes zu wuerdigen. Sie ist wie ein hungriger, schwanzwedelder Hund der sofort das Imteresse verliert, wenn er merkt, dass man keine Leckerlis mehr in der Tasche hat. Ich kann es ihr nicht uebelnehmen. Sie ist auch nur ein Opfer von vielen. Taeter sind Maenner. Auch aus meinem Land.
Ich wohne hier zur Untermiete bei Fei. Fei habe ich am 2. Tag meiner Reise kennengelernt als ich hier durchgelaufen bin. Sie hat mir ein Messer geliehen, damit ich meine gekauften Fruechte oeffnen konnte. Sie ist 30 Jahre alt und kommt aus dem Norden Thailands. Dort lebt auch ihre Mutter und das Baby von Fei. Fei ist nach Bangkok gekommen um Geld fuer sie alle drei zu verdienen. Ich fand sie von anfang an sympatisch. Ihre Gefuehle sind noch nicht so stark verschleist wie die von Geau. Vielleicht weil sie noch nicht so lange in einer Bar arbeitet, vielleicht aber auch weil ihre Freundinnnen Peng und Champ, zwei dicke alte Damen von ca. 50 Jahren, ein durch und durch gutes Herz haben und durch die Waerme, die von ihnen ausgeht, ihr helfen ihre Menschlichkeit nicht zu verlieren.
Ich fragte sie, ob ich bei ihr wohnen darf und wir uns die Miete teilen sollen. Zuerst wollte sie nicht. Zwar benoetigt sie das Geld, doch bedeutet ein Untermieter einen weiteren Einschnitt in ihre ohnehin schon kleine private Zone. Das war mir bewusst. Also beschloss ich ihr Vertrauen zu gewinnnen, indem ich mein Reisegepaeck zu ihr brachte. Ich liess es stehen und ging wieder ins Hotel. Als ich am naechsen Tag wiederkam und fragte ob ich auf Probe bei ihr wohnen duerfte mit ihrerseitigem fristlosen Rauswurfsrecht, willigte sie ein. Darueber bin ich sehr froh und ich werde sie nicht enttaeuschen. Sie hat mich auch nicht enttaeuscht. Mein Reisegepaeck war unberuehrt geblieben. Mitlerweile vertrauen wir uns vollkommen. Wenn ich mich waschen gehe, past sie auf meine Sachen auf. Dazu gehoert auch der Reisepass und das Bargeld.
Urspruenglich war es so geplant gewesen, dass ich schlafe wenn sie nachts arbeitet. Doch das hat nicht funktioniert. Ich kann nicht schlafen. Ich weiss, dass das was sie macht ihr nicht gefaellt. Sie mag auch keinen Alkohol. Doch manchmal wenn sie morgens wiederkam roch sie stark nach Schnaps. Was soll sie auch tun ? Wenn sie nicht mittrinken wuerde verdient sie kein Geld, weil die Maenner dann zu Frauen gehen die mittrinken. Als sie morgensfrueh nach der dritten Nacht ohne genuegend Schlaf wiederkam, haben mich meine Gefuehle ueberwaeltigt und ich musste weinen wie ein kleines Kind. Sie hat mich in den Arm genommen und versprochen sich um mich zu kuemmern, weil sie dachte jemand haette mir was getan. Das war zu viel. Sie, die die Last der Verantwortung fuer sich und noch zwei andere Menschen schon auf ihren Schultern traegt, wollte tatsaechlich auch noch fuer mich, einem fremden, nicht besonders schwer arbeitenden und gutumsorgten Westeuropaeer da sein ? Ich beschloss zu handeln. Am naechsten Tag tauschte ich Geld um und gab ihr 10000 Baht. Jetzt hat sie erst einmal Urlaub. Die folgende Nacht schlief sie bestimmt 10 Stunden lang. Und ich schlief auch viel besser. Ich kann gar nicht sagen wem von uns beiden das mehr geholfen hat. Ich glaube uns geht es jetzt beiden besser.

Im Norden von Thailand
Liebe Reisefreunde,
ja ich kann euch doch noch von ausserhalb der Stadt Bangkok berichten. Ihr seht erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Fei und ich haben uns ganz kurzfristig entschieden der Enge von Bangkok fuer zwei Wochen zu entfliehen. Da sie ja nun Zeit hat und ich sowieso haben wir das Nuetzliche mit dem Sinnvollen verknuepft, uns zwei Bustickets gekauft und sind zehn Stunden in den Norden gefahren um ihre Familie zu besuchen. Sie wohnen hier in einem kleinen Dorf ungefaehr 100 km entfernt von Lamphun.
Am Tag ist es hier genauso warm wie in Bangkok, doch in der Nacht wird es gluecklicherweise etwas kuehler. Nun bin ich froh an einen Pullover gedacht zu haben.
Das Panorama ist hier malerisch. Wir befinden uns in einem Tal, gesaeumt von Bergen, deren Kuppen morgens im Nebel haengen. Vielleicht ist es aber auch nur der Rauch von den vielen Feuerchen, die die Menschen hier machen.
Nebenan wohnt eine Thailaenderin die mit einem Norweger verheiratet ist. Er ist zur Zeit hier und damit beschaeftigt fuer sie, ihre Toechter und ihn ein grosses Haus zu bauen. Auf der Baustelle herrscht reges Treiben. Manchmal sind 14 thailaendische Arbeiter gleichzeitig beschaeftigt. Da er am 20. Februar wieder zurueck nach Norwegen fliegt und es vorher fertig werden soll, steht er ein wenig unter Zeitdruck.
Die Familie von Fei ist sehr freundlich zu mir. Da sie hier aber kein Englisch sprechen, faellt es mir aber noch schwerer Gespraeche zu fuehren als mit den meisten in Bangkok lebenden Thailaendern. Die Tochter von Fei ist sehr suess. Doch wenn ich sie auf den Arm nehme und nicht staendig im Schaukelschritt spazieren trage, dauert es nicht lange und sie faengt zu heulen an und will zu Mama oder Oma. Nur wenn wir gemeinsam Moped fahren ist sie, abgelenkt vom Motorengeraeusch und Fahrtwind, auch mal fuer laengere Zeit ruhig. Sie haelt sich dann an meinem T-shirt fest und bestaunt mit grossen Augen die an uns vorbei ziehende Landschaft. Hier sind die Entfernungen zu gross um zu Fuss gehen zu koennen. Ein Motorroller ist deshalb fuer jede Familie eine unverzichtbare Notwendigkeit.
Abends aehnelt sich das, was die Menschen hier machen sehr. Es wird viel zusammen gesessen, geplaudert und getrunken. Karaoke ist hier aehnlich beliebt wie in Deutschland Skat zu spielen. Besonders die Maenner trinken hier viel von dem sogenannten Thaiwisky. Fast immer wollen sie mich einladen und es ist keine Seltenheit, dass ich an einem Abend den mir angebotenen Schnaps bis zu zehn mal mit einem MEI AU MI LEO KRAP dankend ablehnen muss. Auch werden sie nicht muede fuer mich liebenswuerdiger Weise die Namen der Speisen wieder und wieder zu wiederholen, auch wenn meine mangelnde Konzentration dauerhaftes Erinnern kaum zulaesst.
Eigenartiger Weise werde ich wider Erwarten nicht gefragt, ob ich die ein oder andere finanzielle Hilfestellung leisten kann. Ich vermute Fei hat ihnen gesagt, dass sie das nicht tun sollen um mir unangenehme Situationen zu ersparen. Danke Fei.

Viel, viel Zeit ...
Liebe Reisefreunde,
ich bin jetzt schon wieder seit vielen Tagen in Bangkok. Gerne wuerde ich euch etwas Spannendes berichten, doch es passiert nichts. Eine angenehme Traegheit hat von mir Besitz ergriffen. Ich schlafe lange und viel, schlendere in meinen Flip-Flops durch die Strassen und probiere diverse Koestlichkeiten aus die am Wegesrand zu Hauf angeboten werden.
Fei hat sich ein Englisch-Thai Woerterbuch gekauft und ist sehr fleissig dabei ihre Englischkenntnisse zu verbessern. Auch ein wenig Deutsch hat sie schon gelernt. Mit gemischten Gefuehlen bin ich ihr dabei behilflich. Es ist eine Investition fuer spaeter. Beruflich bedingt sozusagen. Auch wenn wir es vermeiden darueber zu sprechen ist fuer uns alle hier klar, dass sie wieder arbeiten muss wenn ich wieder nach Deutschland fliege.
Beim Spazierengehen werde ich staendig angesprochen. Massage, Sir ? ... Taxi, Sir ? ... Bum bum a Lady, Sir ? ... Sightseeing, Sir ? ..... Auch wenn es mich manchmal nervt, verstehe ich die Leute. Der Tourismus ist enorm wichtig fuer viele Menschen hier weil sie damit ihr Geld verdienen. Ich uebe mich deshalb in Selbstbeherrschung und lehne jedes Angebot hoeflich oder zumindest stumm laechelnd und kopfschuettelnd ab. Ich bemuehe mich keinen zu ignorieren. Wenn ich hier jemanden anspreche laesst man mich auch nicht im Regen stehen.

Sven