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05.03.2006

Der Vergessene Konflikt

Kontinent

Europa

Land

Serbien

Reisezeit

September 2005 bis Oktober 2005

Route

München, Zagreb, Belgrad, Sarajevo und zurück

Mit dem Heissluftballon durch Serbien un
Der vergessene Konflikt

Ballonabenteuer im Balkan
von Almut Dunnington

Grenzen, kennen wir die überhaupt noch? Ich erinnere mich vor Jahren einen Artikel darüber geschrieben zu haben, da heißt es: Das Wort `Grenze´ geht auf das slawische Lehnwort `Granitza´ zurück, das soviel bedeutet wie `schützen, bewahren´.
Grenzen schützen vor Fremdem und bewahren das Eigene. Sie stellen aber auch eine Herausforderung für jeden Reisenden dar. So auch für uns auf unserer Reise in nahen und doch fernen Osten.
Genaugesagt hatten wir sogar fünf Grenzen zu bewältigen. Unser Ziel ist Belgrad, Serbien. Mein Mann Phil, ist passionierter Ballonfahrer und das seit 30 Jahren. Er hält den Rekord, in den meisten Ländern dieser Erde schon mit dem Ballon gefahren zu sein. Seit ir uns vor drei Jahren kennengelernt hatten - bei einer Ballonfahrt in Burma bezeichnenderweise - war auch ich diesem Abenteuersport verfallen. Wir brauchten also neue Länder fürs Logbuch und da Phil in Europa inklusive Rumänien und Albanien schon alles abge`fahren´ hat, blieb nur der Balkan mit seinen neuen Staaten übrig.
So starten wir ausgerüstet mit einem Ballon und sieben Propanflaschen Richtung unserer ersten Grenze: Österreich. Hier gilt es nur teure Gebühren für die vielen Tunnels zu berappen, aber noch genießen wir einen freien unkontrollierten Grenzübergang. Grenze Nummer Zwei, Slowenien, ist ebenso kein Problem. Das Land hat sich zwar schon sehr der EU geöffnet, beharrt aber weiterhin auf seine eigene Währung (den Tolar). Gegenüber uns eine erschreckend lange Warteschlange. Wer hier gut über die Grenze kommt, hat freie Fahrt über Tausende von Kilometern bis Großbritannien oder Portugal. Die EU lässt grüßen.
Wir passieren den Verkehrsknotenpunkt Llublijana und erreichen gegen Spätnachmittag unsere dritte Grenze: Kroatien. "What do you have in your tailer?" will der etwas skeptisch dreinschauende Grenzbeamte wissen. Aber bevor wir uns noch was Gescheites einfallen lassen können, beantwortet er schon selbst seine Frage "Camping?" "Oh Yes!" antworten wir schnell und sind dankbar für diesen Hinweis. Klar, Camping. Der Korb im Inneren des Anhängers wird nun noch schnell mit meinen Jogging Klamotten behängt und nun sieht die Sache auf den ersten Blick wirklich wie Camping aus. Die Gasflaschen benutzen wir natürlich um unsere Würstchen zu kochen!
Kroatien
Wir machen Stop im alten Kurort Samobor, in der Nähe von Zagreb, der Hauptstadt des Landes. Unser "Campingplatz" ist eine freundliche Pension die von zwei älteren Kroaten geführt wird. Als der Hausherr in meinem Pass Fr. Doktor Dunnington liest, rundet sich sein Gesicht zu einem hoffnungsvollen Lächeln: "Oh Fräilein Doktor. Misch plagt seit Jahre mein Kreiz. Kenne Se mir nischt helfe?" Ich traue mich kaum ihm zu offenbaren, dass ich zwar auch eine Krankenschwester Ausbildung habe, aber meinen Doktor in den Kultur- und Sozialwissenschaften und nicht in der Medizin erworben habe.

Der Marktplatz von Samobor ist erstaunlich belebt. Das alte Kurbad, das diesen Ort Mitte des 19 Jh. bekannt gemacht hat, scheint nicht mehr zu existieren. Dafür reiht sich eine Kneipe neben die andere, sogar ein englisches Pub das mit „Hello dear friends! Come in. We have best GinTonic in Croatia“ für Kundschaft wirbt.
„Zagreb,15 km“ steht ermutigend auf einem Verkehrsschild. Wir wollen das Nachtleben der Stadt erkunden und folgen dem Schild. Doch dies Hinweisschild war das Erste und Einzige. Ab nun wird unser Navigationssinn getestet. Endlose Vororte und Hochhaussiedlungen ohne Gesicht und Grünflächen zeugen vom Bauboom der 70er und 80er Jahre zu Zeiten des Kommunismus. Doch wie und wo es zum Zentrum der verwinkelten Stadt gehen soll, bleibt ein Rätsel kroatischer Stadtplanung. Nachdem wir zum dritten Mal dieselbe Einbahnstrasse zurückfahren müssen, geben wir auf und parken in einem x-beliebigen Parkplatz. Aber wie die Parkuhr funktionieren soll, scheint auch ein Geheimnis zu sein. Unsere Rettung ist ein junger hilfsbereiter Kroate mit perfektem Englisch, der für uns alle seine Münzen durchprobiert, bis der eigenwillige Automat eine davon akzeptiert. Man merkt: die ältere Generation spricht noch Deutsch, die Jüngeren Englisch. Die Sprache zur Welt.

Schließlich werden wir mit einem netten Bummel durch die lebhaften und bevölkerten Gassen der Altstadt belohnt. Unglaublich, was alles neu renoviert und hergerichtet wurde. Die Kneipen und Straßencafes sind rappelvoll. Dabei ist es nur Mittwoch Abend. Die Leute sind chic gekleidet und die vielen exklusiven Boutiquen und Läden zeugen von einer starken Kaufkraft. Überall bimmelt das Handy. Wir genießen noch ein leckeres Fischgericht und machen uns auf die ebenso katastrophal ausgeschilderte Rückfahrt. Eine Stunde für 15 km! Schade, denn bevor die Stadt ihr Verkehrskomitee gefeuert hat, wird uns Zagreb nicht wiedersehen.

Serbien
Vier Stunden auf einer leeren Autobahn. Ein Traum. Die Landschaft ist nicht besonders reizvoll. Wir durchfahren das breite Donautal. Sumpf und Flachland, Äcker mit Mais und Getreide und hin und wieder der Blick auf einige hübsche Kirchen. Gegen Mittag steigt die Spannung. Wir nähern uns der serbischen Grenze. Ob wir da auch so gut mit unserer verdächtigen Fracht durchkommen? Was sollen wir antworten? Camping? 14.00 Uhr, an der Grenze zu Serbien. „Do you have Car-insurance?“ Nein, die haben wir für dieses Land nicht bekommen.(Unser Autohändler wusste Serbien nicht einmal in die Länderkategorien einzuordnen!) Doch kein Problem, für teure 100 Euro können wir dieses Stück Papier erwerben. „Camping?“ „Oh yes indeed!“ (Wir wollten doch schon immer mal unser neues Zelt in der Mitte Belgrads testen!). 15.00 Uhr, alle Papiere in der Hand, wir sind in Serbien.

Die Strasse wird für 80km zur Baustelle. An eingezeichnete Mittelstreifen hält sich niemand. Sie gelten wohl eher als Aufforderung zum dreisten Überholen. Dann die letzten Kilometer vor unserem Ziel, der 1,7 Millionen Stadt Belgrad.

Belgrad, zuletzt berühmt berüchtigt wegen der Bombardierung der chinesischen Botschaft und der Ermordung von Ministerpräsident Zoran Djindjic am 12.3.2003, gilt heute jedoch als eine der sicheren Hauptstädte Europas.
Was uns zuerst auffällt, ist der Verkehr. Stau auf der großen sechsspurigen Hauptstrasse in Richtung Stadtzentrum. Eine imposante Brücke trennt den neuen kommunistischen Stadtteil Novo Belgrad von der Altstadt. Vorbei an der völlig zerstörten chinesischen Botschaft, die wohl als Mahnmahl an die wirren Zeiten der letzten Jahre unverändert ihrem Schicksal überlassen wird, und einigen anderen zerbombten Gebäuden, erkämpfen wir uns den Weg Richtung Stadtzentrum. Mit einem Anhänger hier irgendwo zu parken ist fast unmöglich.
„We are happy to make friends with German balloon pilots“, so hatte mir Sanja `Sevi ´c, der einzige Ballonfahrer in Serbien, im Vorfeld getextet. Sanja und seine junge Teampartnerin Sonja, unterhalten hier einen Ballon der schwedischen Firma Maschinen Firma Husqvarna. Noch bevor uns die serbische Verkehrpolizei von unserem sicherlich illegalen Standplatz vertreiben kann, erscheinen endlich die beiden. „Great to meet you!” Ja auch wir freuen uns. Das Abenteuer Ballonfahren in Serbien kann beginnen.

„Just follow us!“ und weg sind die zwei. Der Verkehr Belgrads ist nicht viel besser als der Zagrebs. Aber immerhin gibt es hin und wieder Wegweisschilder. Leider viele in Kyrillisch. Gott sei Dank hatte ich früher einmal Mongolisch gelernt und konnte deshalb auch das kyrillische Alphabet entziffern. Wir finden uns außerhalb der Stadt auf einem kleinen Sportflugplatz wieder. Von hier aus sollen wir mit dem Ballon starten. Aufregung und Hektik. Es bleibt nicht mehr allzu viel Sonnenlicht und die zahlenden Gäste von Sanja sind noch nicht da. Ich soll plötzlich ganz allein unseren Ballon fahren und zwei junge Serbier als crew mitnehmen. Phil fährt mit Sanja und einigen Gästen. Endlich steigen wir auf. Ich versuche dem anderen Ballon zu folgen, denn wir haben nur ein Verfolgerauto.

Abenteuer Ballonfahrt über Belgrad
Obwohl es etwas diesig ist, können wir Belgrad, die Feste Kalemegdan und die Donau erkennen. Von Bodennähe steigen wir auf 2000 Höhenmeter auf und erleben eine schönen Sonnenuntergang. Doch da wird es auch Zeit einen Landeplatz zu finden. Ich entdecke ein Feld nahe eines kleinen Dorfes und mache eine passable Landung. Phil fährt weiter. Kaum am Boden überfallen uns die bluthungrigsten Moskitos die ich je erlebt habe. Ganze Schwärme scheinen sich über uns herzumachen. Ich verlasse schliesslich den Ort der Schlacht und meine zwei armen Jungs und stapfe los zum nächsten Ort um nach einem Gefährt zu suchen, das mich zurück zu unserem Auto bringt. Zwei junge Mädels erbarmen sich meiner und nehmen mich freundlich mit sich nach Hause. Es ist Samstag Abend. Ich erkläre die Situation: mit dem Ballon gestrandet, brauche Taxi oder Auto. Franziska ruft ihre Freunde und Verwandte an. Aber entweder haben die Leute keine Zeit oder kein Auto. Wir sind schließlich auf dem Land. „Well, I think I have to call my ex-boyfriend“. Das ist mir nun wirklich peinlich. Wir unterhalten uns übers Ballonfahren und Studium in Belgrad. Die Zeit vergeht. Meine armen Jungs. Endlich erscheint Ex-boyfriend mit Kind, und fährt mich zurück zum Auto. Doch wo ist jetzt der Ballon? Es ist stockdunkel und alle Feldwege sehen gleich einsam aus. Wären da nicht die Kinder des Dorfes. Die wissen genau, wo der Ballon im Feld steht. Als mit viel Mühe schließlich beide Ballons gefunden und zusammengepackt sind, feiern wir in einer kleinen Kneipe. Ein neues Land und neue Freunde – das halbe Dorf und Sanja und Sonja.

Todmüde um Mitternacht endlich im Hotel Excelsior in der Stadtmitte an einer der wohl lautesten Straßenkreuzungen der Stadt. Aber was noch lauter ist, ist der Nightclub im Untergeschoss des Hotels. Bis hinauf in den sechsten Stock dröhnen die Bässe, und das bis 5 Uhr morgens. Gerädert am nächsten Morgen auf Erkundungstour durch die Stadt. Bummel durch das nette bohämische Viertel mit seinen Straßencafes, dem belebten Markt, der imposanten Festung Kalemegdan. Die einzigen Ausländer, die uns begegnen, sind zwei amerikanische Gruppen, träge einem der Kreuzfahrtschiffe entstiegen, auf Pflichtprogramm durch die Feste.
Treffen mit der gesamten Balloncrew zum Mittagessen. Gelegenheit die jungen Leute über das Leben hier auszufragen. Gespaltene Meinungen. Es sei schmutzig geworden in der Stadt. Noch vor einigen Jahren waren es die Bosnier, die hier ihren Dreck abgelassen hätten, nun seien die eigenen Landsleute auch nicht viel besser. „Nobody cares anymore“. Hier klingt zwar Selbstkritik durch, aber der alte Groll gegen den Erzfeind Bosnien scheint auch noch nicht vergessen.
Da wir keine Lust auf Nightclub Entertainment mehr hatten, wechseln wir das Quartier und landen im Hotel „Splendid“ . Splendid dachten wir, es sah ruhig aus. Keine Disco, keine Strasse und doch mitten in der Stadt. Doch gegen 3 Uhr nachts knallen plötzlich die Türen und wir hören Stimmengewirr. Düstere Gestalten huschen ein und aus. Phil vermutet: Drogendealer.

Bosnien
Wir verlassen Belgrad und machen uns auf in Richtung Süden des Landes. Der Verkehr ist ein Alptraum. Diese Strasse ist die einzige Verbindungsstrasse in den Süden des Landes und so reiht sich ein Lastwagen and den anderen. Streckenweise schleichen wir mit nur 50 km für eine Stunden hinter solchen Transporten her. Es zehrt an den Nerven und wir brauchen für die insgesamt nur 150km fast 6 Stunden. Gegen Nachmittag endlich an der Grenze zu Bosnien. Hier wird´s nun richtig spannend. Wir schauen so camping freundlich aus wie möglich, aber das bergige Bosnien scheint dafür nicht gerade prädestiniert. „Car insurance?“ Nein, auch Bosnien war nicht im Verzeichnis der Autoversicherer. Aber auch hier können wir das Papier erkaufen. „Please open!“ Die Stunde der Wahrheit. Ich öffne den Anhänger und dem Beamten öffnen sich die Augen. Er hat wohl noch nie einen Heißluftballon gesehen. Ich spiele mit offenen Karten und zeige ihm Fotos aus unserer Digitalkamera. „This is a hot air Balloon“. Der Beamte winkt den Kollegen zu sich, die beiden beratschlagen. „Passport. Address in Bosnia?“ Jetzt spielen wir unsere Trumpfkarte aus: “We are friends of the EU-Ambassador in Sarajevo. Go to visit him.” Das scheint zu wirken. Nach einem Telefonanruf und dem Kopieren unserer Pässe, der ersehnte Wink „Bye Bye“. Wir sind im Land – mit Ballon.

Schlagartig verändert sich die Landschaft. Wir sehen kaum mehr Autos und fast keine Siedlungen mehr. Dafür steil aufragende schroffe Berge, die von tiefen Schluchten mit reißenden Flüssen durchzogen sind. Die Strasse führt auf halber Höhe durch unzählige Tunnels. Ich denke an die Winnetou Filme und Romane von Karl May. Ein passender Schauplatz dafür. Nach einigen Stunden – es wird schon langsam dunkel – erreichen wir ein Hochplateau mit lieblicher Heidelandschaft, Schafen und einigen Dörfern. Immer noch kein Verkehr. Wie weit noch bis Sarajevo? Plötzlich fällt die Strasse steil ab, eine weitere tiefe Schlucht und wir sind da: vor uns liegt Sarajevo, Hauptstadt Bosniens und traurig bekannt über die lange Belagerungszeit Mitte der 90er Jahre die vielen tausend Menschen das Leben gekostet hat. Was auch immer man für Vorstellungen von Orten hat, die man nicht kennt, so habe ich mir Sarajevo jedenfalls nicht vorgestellt. Ich bin fasziniert von der bergigen Lage und der ausgedehnten Größe der Stadt. Ein Augenfang sind die vielen Moscheen und die moslemischen weißen Friedhöfe.

Sarajevo
Sarajevo ist mit seinen 297.512 Einwohnern Hauptstadt Bosnien Herzegowinas. 1914 war sie Schauplatz des tödlichen Attentates auf den österreichischen Kronprinzen Franz Ferdinand und seiner Frau. Dadurch wurde der erste Weltkrieg ausgelöst und die Stadt fiel an Jugoslawien. Einen Aufschwung erlebte Sarajevo erst durch die Olympischen Winterspiele 1984. In den Jahren danach war die Stadt geprägt von Konflikten zwischen den bosnischen Serben und den überwiegend muslimischen Bosniern. 1992 eskalierte die Spannung in einem grausamen Bürgerkrieg bei dem Sarajevo drei Jahre lang - genau gesagt 1425 Tage - unter Belagerung stand. Bombardements und Maschinenfeuersalven ließen kein Haus unverschont. 10.615 Menschen, unter ihnen 1601 Kinder, fielen auf beiden Seiten der geteilten Stadt den Scharfschützen zum Opfer. Weitere 50.000 Menschen erlitten durch Granaten und Minen schwerste Verletzungen.
Schon unser erster Eindruck ist beeindruckend: die Hauptstrasse führt an österreichisch-ungarischen Prachthäusern vorbei, verrät aber in den Seitengassen schon das Altstadtflair mit seinen orientalischen Bazaren, Moscheen und Läden. Vor dem "Holiday Inn" – einem geschmacklosen Gebäude aus den 70igern - werden wir von Michael und Inna, dem Botschaftspaar, empfangen und zu deren Haus eskortiert. Wir dürfen im obersten Stockwerk eines geschmackvoll eingerichteten Appartements mit Blick über die gesamte Stadt übernachten.
Noch am Abend bekommen wir Einblick in das lebhafte Nachtleben der Stadt, als wir uns zum Essen in eines der vielen Straßenrestaurants in die Innenstadt begeben. „Ihr müsst unbedingt den Tunnel besuchen“ rät uns Inna. Was für ein Tunnel? Inna klärt uns auf: Als die während der Belagerung eingeschlossenen Einwohner nahe dem Verhungern waren, kam ihnen eine wagemutige aber rettende Idee: ein Tunnel sollte unter dem von der NATO besetzten Flughafen eine Verbindung zu den umliegenden bosnischen Dörfern schaffen.
Am nächsten Morgen machen wir uns auf die Suche nach dem Tunnel-Museum. Dieses ist jedoch in keiner Karte und in keinem Reiseführer vermerkt. Wir fahren laut Anweisung in Richtung Flughafen. Ab da fragen wir uns durch. Die Familie, der das Haus gehört von dem der Geheimgang ausgeht, erhält heute noch einen Teil des Tunnels und zeigt Fotos und Filme über die Zeit. Über 1500m lang ist dieser schmale Gang der damals Hunderten von Menschen das Leben rettete. Ein wirklich beeindruckendes Erlebnis, das mich wieder einmal dankbar werden lässt für eine Kindheit ohne Krieg.

Im Bazar: wir fühlen uns mitten in den tiefsten Orient versetzt. Händler bieten ihre Teppiche und Schmuckstücke an, kleine Straßencafes pechschwarzen türkischen Kaffee und Restaurants köstliche Cevapcici in allen Varianten. Aber nicht nur Antiquitäten und Handwerkskunst wird feilgeboten, populär scheinen vor allem Reminiszenzen des Krieges wie zu Schirmständern umgebaute Grananten oder zu Beistiften gewordene Maschinengewehrpatronen.
Ein verstecktes Kleinod der Altstadt ist die orthodoxe Kirche aus dem 16 Jh. mit ihren wunderschönen Wandmalereien und goldenen Verzierungen. Sehenswert ist zudem die im Krieg stark beschädigte Nationalbibliothek im osmanischen Stil – Erinnerung daran, dass Sarajevo schon seit 1463 von den Osmanen regiert wurde.

Die erste Ballonfahrt Bosniens
Nach diesen interessanten Erkundungen machen wir uns an die Vorbereitung für unser Ballonabenteuer in Bosnien. Michael hilft uns an die notwendigen Papiere und Erlaubnisscheine zu gelangen. Ein letztes Hindernis scheint der Flughafen zu sein. Aber der ist wie durch ein Wunder just diese Woche wegen Umbauten geschlossen. Nun steht nichts mehr im Weg, die erste Ballonfahrt in der Geschichte des Landes zu wagen.
Wir finden den 24 jährigen Kanan, Manager eines kleinen Sportflugplatzes in der Nähe der Stadt. Kanan kann sich noch gut an die schrecklichen Jahre des Krieges erinnern. Drei Jahre lang, erzählt er, sah er keine Sonne, und auf diesem kleinen Flugplatz landeten damals Hilfstransporte für die eingeschlossenen und verhungernden Einwohner. Er möchte Journalist werden und vielleicht ins Ausland gehen. Er traut dem Frieden im Land nicht.
Wir nehmen ihn und Michael auf die Jungfernfahrt mit. Unser Blick schweift über Schafherden, winkende Menschen auf den Feldern und in der Ferne die 2000m hohen Berge. Weit können wir nicht fahren. Die Landschaft ist zwar inzwischen weitgehend minenfrei, aber ein Risiko wollen wir dennoch nicht eingehen. Am nächsten Morgen werden wir gleich von der Presse interviewt. Vielleicht der Beginn einer neuen Freundschaft und der Entwicklung der Ballonfahrt in diesem Land.

woaini

 

 

 
 

Ballonfahrt nahe Belgard Serbien

 
 

Ich und Phil Flug Sarajevo

 
 

Flug über Bosnien